
Am 17. Oktober 2025 hatte beyond peers in Zusammenarbeit mit den EXIST Women Standorten der Universität Rostock, der Universität Greifswald und der Hochschule Stralsund die Möglichkeit, im Rahmen des Businessplanwettbewerbs eine eigene Female Area zu gestalten. Ziel dieses Formats war es, einen geschützten Raum zu schaffen, in dem Frauen sich begegnen, vernetzen und austauschen konnten und zugleich die Chance erhielten, ihre Ideen sichtbar zu machen und auf der Bühne zu präsentieren.
Die Bedeutung einer solchen Initiative wird besonders deutlich vor dem Hintergrund der aktuellen Gründungslandschaft in Deutschland. Trotz wachsender Vielfalt bestehen weiterhin strukturelle Geschlechterunterschiede. Unabhängig davon, welche Erhebung herangezogen wird, zeigen sich über Jahre hinweg stabile Muster. Frauen gründen seltener als Männer. Im Global Entrepreneurship Monitor der Jahre 2024 und 2025 lag die Gründungsquote von Männern bei 11,0 Prozent, während sie bei Frauen 8,5 Prozent betrug. Auch der Female Founders Monitor 2025 weist mit einem Anteil von lediglich 19 Prozent weiterhin einen niedrigen Gründerinnenanteil im Startup Segment aus. Diese Zahlen verdeutlichen, dass der Gender Gap im Gründungsgeschehen kein kurzfristiges Phänomen ist, sondern Ausdruck komplexer systemischer Zusammenhänge. Dabei geht es weniger um individuelle Entscheidungen als vielmehr um institutionelle Rahmenbedingungen, fehlende Rollenvorbilder sowie ungleiche Zugänge zu Kapital, Wissen und Netzwerken.¹ Genau an diesem Punkt setzen Formate wie FEMALE SCIENCE MV an, indem sie Frauen gezielt Sichtbarkeit, Austausch und Ermutigung bieten.
Durch den Nachmittag führte Luisa Maria Wendt, die das Publikum souverän und mit viel Gespür für die Themen begleitete. Den Auftakt bildete eine Paneldiskussion mit fünf Frauen, die auf ganz unterschiedliche Weise zu Expertinnen im Bereich Gründung, Innovation und Unternehmertum geworden sind. Mit ihren vielfältigen beruflichen Hintergründen und persönlichen Erfahrungen bereicherten Dipl Kauffrau Silvia Kohlmann, Dr Theresa Kordaß, Dr Gudrun Mernitz, Dr Yvonne Haba und Raijana Schnepel die Diskussion und eröffneten einen vielschichtigen Blick auf weibliches Unternehmertum in Wissenschaft und Wirtschaft.
Besonders prägend für die Paneldiskussion war die große Bandbreite an Perspektiven, die die Teilnehmerinnen einbrachten. Die Erfahrungen reichten von internationaler Unternehmensführung und wirtschaftspolitischer Arbeit über angewandte Spitzenforschung und klinische Innovation bis hin zu regionaler Netzwerkentwicklung, wissenschaftsbasierten Ausgründungen und unternehmerischem Wachstum im Startup Kontext. Silvia Kohlmann lenkte den Blick auf strategische Führung, globale Innovationsprozesse und politische Rahmenbedingungen. Theresa Kordaß zeigte anhand ihrer Forschung, wie eng wissenschaftliche Exzellenz und unternehmerisches Denken miteinander verbunden sein können. Gudrun Mernitz machte aus ihrer langjährigen Arbeit in Innovationsnetzwerken und der Bioökonomie heraus deutlich, wie entscheidend stabile Strukturen, langfristige Förderung und verlässliche Partnerschaften für nachhaltige Gründungen sind. Yvonne Haba gab Einblicke in die besonderen Herausforderungen technologiegetriebener Ausgründungen aus der Wissenschaft, während Raijana Schnepel die Perspektive einer aktiven Unternehmerin einbrachte, die operative Realität, Wachstum und Verantwortung täglich miteinander verbindet. Gerade diese Vielfalt an Wegen, Rollenbildern und Erfahrungsräumen machte deutlich, dass es nicht den einen richtigen Gründungsweg gibt, sondern zahlreiche individuelle Ansätze, die sich gegenseitig ergänzen und stärken.
Inhaltlich standen Fragen nach Hürden und Chancen für Frauen in der Gründungswelt im Mittelpunkt der Diskussion. Die Panelistinnen sprachen offen über strukturelle Barrieren, Unsicherheiten und Zweifel, aber auch über neue Möglichkeiten, die sich durch veränderte Förderlandschaften, eine zunehmende Sichtbarkeit weiblicher Vorbilder und stärkere Netzwerke ergeben. Der Blick richtete sich dabei nicht nur auf die Gegenwart, sondern auch auf die Zukunft. Diskutiert wurde, was es braucht, um Frauen langfristig sichtbarer in Wissenschaft und Wirtschaft zu machen und welche Rolle Mentoring, Netzwerke und Förderprogramme dabei spielen können. Die Offenheit der Diskussion und die unterschiedlichen Perspektiven sorgten für eine lebendige Atmosphäre und eine hohe inhaltliche Tiefe.
Da sich unter den Zuhörerinnen auch zahlreiche Teilnehmerinnen des EXIST Women Jahrgangs 2025 befanden, wurde die Paneldiskussion mit einer sehr persönlichen Frage abgeschlossen. Die Panelistinnen teilten ihre Erfahrungen und gaben konkrete Ratschläge für junge Frauen, die am Anfang ihrer Gründungsidee stehen und den eigenen Weg noch vor sich haben. Diese Impulse bildeten eine wertvolle Verbindung zwischen Erfahrung, Ermutigung und Aufbruch.
Im Anschluss verlagerte sich der Fokus des Programms auf das EXIST Women Programm. Doreen Mlodzik, Koordinatorin des EXIST Women Programms an der Hochschule Stralsund, stellte das Programm vor und gab dem Publikum Einblicke in Inhalte, Ziele und Fördermöglichkeiten. Darauf folgte ein Pitchwettbewerb, an dem alle EXIST Women Teilnehmerinnen des aktuellen Jahrgangs teilnehmen konnten. Auf der Bühne präsentierten Janine Borsos mit StepCare, Azadeh Kooshosh mit APANSION, Jolissa Rusin mit dem Projekt Fin and Feel Bildungszentrum, Dr Yvonne Haba mit UCT Underwater Cable Testing sowie Dan Yin Hsu mit YourHealthMatch ihre Ideen.
Das Publikum hatte die Möglichkeit, aktiv mitzuwirken und seine Stimme abzugeben, um zu bestimmen, welche Gründerin den Gewinn eines Personal Brand Fotoshootings erhalten sollte. Die Auswertung fiel äußerst knapp aus und spiegelte die hohe Qualität aller Pitches wider. Mit einem knappen Vorsprung gewann Janine Borsos mit ihrem Projekt StepCare. Mit StepCare verfolgt sie das Ziel, Berufe in der Pflege neu zu denken, indem die Kommunikation im Pflegeteam verbessert, Arbeitsprozesse vereinfacht und die Zufriedenheit der Mitarbeitenden nachhaltig gestärkt werden. Im Mittelpunkt steht eine praxisnahe Anwendung, die den Arbeitsalltag spürbar entlastet und mehr Raum für direkte Betreuung schafft.
Nach dem Bühnenprogramm bot ein gemeinsames Buffet Raum für weiteren Austausch, persönliche Gespräche und Vernetzung. Ergänzend wurde eine Ausstellung im Rahmen des EXIST Women Programms umgesetzt, die den Gründerinnen zusätzliche Sichtbarkeit verlieh.
Ein herzlicher Dank gilt allen, die dieses Event gemeinsam mit beyond peers ermöglicht haben. Den EXIST Women Teilnehmerinnen wünschen wir für ihren weiteren Weg viel Erfolg, Mut und Sichtbarkeit. FEMALE. SCIENCE. MV. hat eindrucksvoll gezeigt, wie wichtig Räume sind, in denen Frauen ihre Ideen teilen, voneinander lernen und gemeinsam Zukunft gestalten können.
Fußnote:
¹ Vgl. Global Entrepreneurship Monitor Deutschland 2024/2025, Gründungsquoten nach Geschlecht, sowie Startup Verband Deutschland 2025: Female Founders Monitor 2025, Berlin. Die Daten zeigen eine anhaltende Unterrepräsentation von Frauen im Gründungsgeschehen und verweisen auf strukturelle Einflussfaktoren wie institutionelle Rahmenbedingungen, Rollenbilder sowie Zugänge zu Kapital und Netzwerken.
